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Artikel der KinozuHause Redaktion

How to cook your own 3D (Teil 9.): Authentische 3D-Wiedergabe

 
Von Marco Breddin, 30.07.2010
 


Die Produktions– und Wiedergabebedingungen von 3D-Filmen sind derart komplex, dass wir unseren 3D-Guide erweitern. Im neunten Teil vergleichen wir die Sicht des Filmemachers am Drehort mit der des Zuschauers im Heimkino und entschlüsseln, wie der gespeicherte 3D-Effekt zuhause authentischer zur Geltung kommt.     

3D Kamera Rigs

Der menschliche Augenabstand beträgt für gewöhnlich etwa 70mm. Betrachtet man jedoch 3D Stereo Rigs, auf denen zwei Filmkameras installiert werden, sind dort Abstände von bis zu 120mm einstellbar. Virtuelle Kameras, die für Renderings der CGI-Filme benötigt werden, können sogar ohne Limit voneinander separiert werden. Das wirft die Frage auf welche Folgen es hat, wenn der Kameraabstand bei den Dreharbeiten höher eingestellt wird.

Was glauben sie?
Ja – der 3D-Effekt wird tatsächlich verstärkt!

Verstärkte 3D-Effekte sind aber nicht immer Absicht, häufige Ursache ist die rein physische Größe der Filmkameras – sie brauchen einfach Platz, um auf dem Rig nicht aneinander zu geraten. Dennoch hat dies Folgen für die anschließende Filmrezeption. Mit welcher Stereo-Separation der Filmemacher bei den Dreharbeiten gearbeitet hat, zeigt die folgende Abbildung: Blau steht für die Blickinformation der linken und Rot für die der rechten Kamera.

Entscheidend hierbei ist der Kameraabstand, einmal festgelegt, steht er in einer unveränderbaren Relation zum Bild:



3D-Felder im Heimkino

Durch die einmal festgelegte Kameraseparation entsteht ein definiertes 3D-Feld, das digital aufgenommen wird. Zur Wiedergabe im Heimkino müsste der Zuschauer demnach sich selbst und seinen Augenabstand genauso vor den Bildschirm bringen, wie der Filmemacher durch die Rigkameras am Set geblickt hat. Denn erst wenn die Relation zwischen eigenem Augenabstand und der Größe des Bildschirms stimmt entsteht das 3D-Feld wie gedacht vor dem Zuschauer. Alles nur graue Theorie?

Sehen wir uns einmal an, in welcher Relation der Betrachter üblicherweise im Wohnzimmer vor seinem Flachbildschirm sitzt:



Im Verhältnis zum Bildschirm ist der Augenabstand hier sehr viel größer, als der ursprüngliche Kameraabstand zur abgefilmten Szene. Was bedeutet das aber? Einfach ausgedrückt sitzen wir im Wohnzimmer zu weit weg, sodass jedes Auge weniger 3D-Fläche zu sehen bekommt. Das Resultat ist ein minimierter 3D-Effekt. Ebenso ist die Gefahr des Übersprechens (Crosstalk) größer, da die Stereo-Separation nicht mehr stark genug ist. Um solche Stereobilder wieder aufzutrennen, muss das Gehirn nicht nur unnötig schuften, sondern die Augen ermüden auch deutlich schneller.

Auf der anderen Seite kann ein zu großer Bildschirm den 3D-Eindruck auch verfälschen. Sitzen wir zum Beispiel zu nah vor einer riesigen Leinwand, erhalten beide Augen sehr viel 3D-Fläche und der 3D-Effekt wird unnatürlich verstärkt:



Schlüssel zur authentischen 3D-Wiedergabe

Im öffentlichen Kino macht 3D auf den Plätzen an der Grenze zwischen Loge und Parkett am meisten Spaß. Dort stimmt die Auge-Bild-Relation am ehesten mit der des Filmemachers überein, und wir sitzen im rechten Winkel zur Leinwand. Wie so oft geht es um die Suche nach der goldenen Mitte.

Ein Schlüssel zur authentischen 3D-Wiedergabe im Heimkino wird also sein, die Kamera-Bild-Relation des Filmemachers oder Regisseurs zu treffen. Hierbei gilt: je größer die zur Verfügung stehende Bildfläche, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, jene goldene 3D-Mitte auch zu finden. Hier ist Ausprobieren angesagt. Da große Bildflächen am einfachsten durch gute Projektionssysteme zu erreichen sind, lohnt sich hier eindeutig die Investition in einen 3D-fähigen Projektor. Zumal der eventuell verstärkte 3D-Effekt, wie eine große Leinwand in verursachen kann, dem Gehirn leichtere Kost bietet als die crosstalkverdächtigen Flachbildschirme.

Machen sie doch einmal den Selbstversuch, bei laufendem 3D-Film mit Brille auf der Nase: Bewegen sie sich vom maximal entfernten Sichtpunkt in ihrem Heimkino auf den Bildschirm zu. Wann erscheint ihnen die 3D-Wiedergabe am natürlichsten? Gibt es einen Punkt wo der 3D-Effekt regelrecht einrastet? Sie kennen doch das Stereomusik-Prinzip, es geht um die virtuelle Bühne – um das bestmögliche Liveerlebnis!

Mit Ausnahme von beengten Wohnverhältnissen, ist es im Wohnzimmer auch meist einfacher, sich weiter weg von einer zu großen Leinwand zu setzen, als dichter vor einen zu kleinen Bildschirm. Fazit: je größer das Bild, desto weniger Crosstalk und desto mehr authentisches 3D.

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